Nach Beckmann

Hab gestern selbst erst – zu später Stunde – die Aufzeichnung gesehen. Kann sich keiner vorstellen, wie “aufregend” sich das für mich anfühlte: Hab ich immer richtig (re)agiert, hab ich mich und meine Anliegen angemessen eingebracht, sind wenigstens ein paar der wichtigen Themen diskutiert worden …?

Meine Bilanz bis jetzt: Natürlich hab ich so vieles nicht gesagt, vielleicht auch nicht sagen können, was mir wichtig gewesen wäre.

Deshalb an dieser Stelle mal ein paar Fragen in die Runde:

  • Wie sieht’s denn aus mit dem kreativen Potential der Langeweile? Gibt’s für heutige Jugendliche so etwas noch? Oder wird – wie es MIR scheint – jeder Anflug davon medial erstickt?
  • Wie erleben andere die zwei Welten, von denen ich gesprochen habe und die in der Sendung wieder so deutlich wurden?
  • Was sollte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein? Was also ist konkret zu tun – jenseits von Wahlkampfparolen und Schnellschüssen?

Mehr Zeit ist gerade nicht. Die Schule ruft. Fände es aber sehr erfreulich und sehr konstruktiv, wenn – ausgelöst durch die Sendung – hier bei mir diskutiert würde. Dies ist eine ausdrückliche Ermunterung. ;-)

 

15 Gedanken zu “Nach Beckmann

  1. Hallo Frau Monheim,
    wenn ich es richtig verstanden habe, zweifeln Sie an, dass selbst organisiertes Lernen, so wie von Prof. Hüther dargelegt, für Schüler aus ihrem Umkreis nicht geeignet scheint. Da können Sie sich vom Gegenteil überzeugen, an der Werkrealschule (ehemals Hauptschule) in Sipplingen am Bodensee, wo dieses zumindest teilweise praktiziert wird. Ich habe mein Kind ausschließlich aus diesen Grund dorthin geschickt, obwohl wir dadurch einen Anfahrtsweg von fast 20 km haben. Sicher sind von diesem SOL nicht alle Eltern begeistert (es gibt keine gemeinsamen Hausaufgaben und Klassenarbeiten, wo man bei anderen nachfragen könnte) und es ist wohl auch nicht für alle Kinder geeignet. Für die, die sich lieber vom Frontunterricht berieseln lassen, gibt es ja aber immer noch genügend Ausweichmöglichkeiten an anderen Standardschulen. Den meisten Kindern tut aber diese Art des Wissenserwerbs gut. Mein Sohn hat dadurch sein Selbstvertrauen wieder gefunden, was ihm am Gymnasium abhanden kam. Nach der 10. Klasse wird er jetzt ein anderes Gymnasium besuchen.

    • Sie können sich gar nicht vorstellen, wie mich Ihr Kommentar freut! Ich hatte in der Sendung auch nur sagen wollen, dass es mit SchülerInnen vermutlich nicht klappt, die man von Anfang an vehement daran gewöhnt hat, NICHT selbst organisiert zu lernen.
      Ich würde mir diese Schule tatsächlich gerne ansehen. Meinen Sie, das wäre möglich?

  2. Liebe Frau Monheim,
    Ihr Auftritt bei Beckmann hat mir gut gefallen! Respekt, das war souverän, klar und leidenschaftlich. Ich habe Sie als Anwältin für Eltern erlebt, die in solch einer Talkrunde nie zu Wort kommen würden und für Jugendliche, die in der Gesellschaft keine Lobby haben…

    Sie fragen nach dem kreativen Potenzial der Langeweile… Zunächst stimme ich Ihnen zu! Und dann kam mir SOFORT der Gedanke, dass Langeweile in unserer Gesellschaft doch gar nicht mehr geduldet wird. Jeder ist total beschäftigt, denn nur dann sind wir wichtig! Wer weder Stress hat, noch kurz vorm Burnout steht hat doch nichts vorzuweisen… Langeweile wird m.E. mit Faulheit und Hartz VI gleich gesetzt… Welchen Stempel sollen sich diese Kids noch geben? Und wer leitet sie dazu an, mal die Seele baumeln und die Gedanken schweifen zu lassen? Das überaus intelligente Programm im TV mit seinen Inspirationen und Darstellungen des “Lebens” sicher nicht!

    Wie gut, dass Sie die “andere Welt” aufgezeigt haben… alle reden über das G8/9, doch dass eine bayerische Hauptschule durch den neuen Begriff “Mittelschule” aufgewertet wird, ohne ihren Inhalt zu berühren – geschweige denn, den Schülern und Lehrern dort gerecht zu werden – weiß doch niemand aus dem “Bildungsbürgertum”. Damit muss man sich nicht beschäftigen!
    Wie oben schon erwähnt, habe ich Sie als Anwältin erlebt. DANKE!

    Was zu tun ist?
    Jeder darf sich selbst informieren, bevor er schlau daher redet… Jeder von uns Erwachsenen sollte sich mal überlegen, wie er MORGEN leben möchte, denn die Kinder von HEUTE werden uns regieren! Wie gehen wir mit ihnen um, welche Kompetenzen schreiben wir ihnen zu und wie binden wir sie in unsere Gesellschaft ein? Kinder lernen durch Vorbilder und Nachahmung… Na bravo!

    JEDE/R kann etwas tun, bei sich im Kopf, im Herz, bei sich im Umfeld… Und es gibt viel zu tun… und es gibt schon viele gute Initiativen, denen man sich anschließen kann!

    Die Zeit ist reif!
    Herzliche Grüße
    Alexandra Lux

    • Danke, Alexandra Lux!
      Wenn diese Sendung und mein Buch in dieser Hinsicht etwas auslösen könnten, würde mich das fast schon glücklich machen. Vielleicht tummeln sich hier bald noch mehr Menschen, die sehen, dass etwas nicht gut ist und dass sich etwas ändern muss.

  3. Sie sind eine tolle Frau ! Ich hatte eine Volksschullehrerin – Frau Burwick – die war so ähnlich, und hat mir unendlich viel beigebracht ! Fleiß, Ehrgeiz, Geradlinigkeit, Gerechtigkeitsempfinden u.v.a.m.

    Ich kann das ganze Gesülze über die Schul-, Bildungs- und Kinder- und Jugendpolitik nicht mehr hören – es obliegt doch jedem einzelnen, sich bilden und lernen zu wollen !!!

    Und das ganze Gelaber von wg. Chancen- und Bildungsgleichheit: Da werde ich allmählich mehr und mehr Sarraziner !

    Jeder, der lernen WILL, kann lernen – allemal mit web2.0 !!!

    Nix für ungut, mußte ich so mal loswerden !

    Beste Grüße,
    Barbara Behn

    • Liebe Frau Behn,
      Ihr Kommentar freut mich sehr. Sarraziner werde ich allerdings wohl nie werden. Rein theoretisch kann jeder Mensch lernen, wenn er will, aber ob er praktisch dazu in der Lage ist, hängt eben stark mit dem von mir in der Sendung erwähnten Rucksack zusammen. Ob ein Mensch Ich-Stärke aufweist, ob er motiviert ist, ob er in der Lage zu Visionen ist …, hat viel damit zu tun, in welchem Lebensumfeld er aufwächst. Ich würde gerne mit Ihnen im Gespräch bleiben.
      Herzlich
      Hildegard Monheim

  4. Liebe Frau Monheim,
    ich habe mir die Sendung erst verspätet angeschaut und fand, dass sehr gut deutlich wurde, dass Sie auf der Seite der Schüler sind und das beste für sie wollen und zwar, dass sie ihr Potenzial entfalten (können) und daran auch Eltern und Lehrer ihren Part haben. Besonders gefallen hat mir der Hinweis auf der unsichtbaren Rucksack, den die Schüler mitbringen. Das erlebe ich täglich in unserem Lerncenter, manchmal darf ich einen kleinen Blick in den Rucksack werfen und wundere mich dann gar nicht mehr über die fehlende Lernmotivation und die schlechten Noten. In dem Rucksack sind ja nicht nur Erfahrungen und Erlebnisse außerhalb der Schule, sondern auch innerhalb der Schule. Mir erzählen auch heute noch Schüler exakt das, was Herr Maurer erlebt hat.
    Herzliche Grüße und weiter so
    Ihre
    Birgit Ebbert

    • Liebe Frau Dr. Ebbert,

      ich freue mich über Ihre Zustimmung – gerade den Rucksack betreffend. Den halte ich für ziemlich zentral.
      Und ja, auch die Schule kann ihn manchmal kräftig mit auffüllen. Leider!
      Dafür dass dieser Rucksack sich nicht ständig weiter füllt, aber auch dafür, dass man ihn überhaupt zur Kenntnis nimmt, sollten wir kämpfen!
      Herzlich
      Hildegard Monheim

  5. Liebe Frau Mohnheim,
    habe die Talkshow mir auch angesehen und muss sagen, dass Sie mich sehr beeindruckt haben! Unterrichte selber seit 20 Jahre an einer Berliner Grundschule im Brennpunktgebiet und kann Ihre Aussagen nur bestätigen. Unser Schulsystem muss sich ändern, wenn wir die Ressourcen der nächsten Generation nicht vergeuden wollen. Migrantenkinder und deren Eltern haben eben noch ganz andere Probleme! Schwierig finde ich auch die Einstellung vieler Kollegen, die nicht bereit sind, neue und andere Wege zu gehen. Ich fühl mich da oft ganz allein.
    Danke für Ihren Beitrag. Ihr Buch werde ich ganz bestimmt lesen. Viel Erfolg!
    Jeanett Kasten

    • Liebe Frau Kasten,
      herzlichen Dank für Ihre positive und nette Rückmeldung.
      Aber ich möchte mich gar nicht auf diesen Dank beschränken, sondern würde gerne mit Ihnen in Austausch treten. Ich fühle mich nämlich auch oft alleine und freue mich sehr über Kontakte mit Menschen, die ähnlich wie ich ticken.
      Sie hören von mir.
      Herzlich
      Hildegard Monheim

  6. Liebe Frau Monheim,
    seit Monaten “boykottierte” ich BECKMANN, weil dort wirklich nur “gesülzt” wurde. Das Thema Schule hat mich aber interessiert – und ich war begeistert von Ihren Beiträgen! Bleiben Sie dieser Linie treu: Wenn in Deutschland von Bildungspolitik geredet wird, sind meist nur die “Klugen und Reichen” ( – in der Sendung, vom Zuschauer aus gesehen, links von Beckmann – ) die Zielgruppe,
    Stärken Sie bitte das Bewusstsein Ihrer Schüler weiter in die Richtung, dass sie wahrscheinlich nicht reich, aber durchaus lebensklug werden können! Was nützen uns die verwöhnten, frühgeförderten Kinder – allein von diesen soll bitte unser Land in ein paar Jahren nicht regiert werden, viele von denen wissen nicht, wie man wirklich das Leben meistert.
    Ich bin selbst “gelernte” Hauptschullehrerin, allerdings seit Jahren Familienfrau. Ich habe “meine” Hauptschüler richtig gern gehabt, weil sie m. E. viel näher am “richtigen Leben” waren als gleichaltrige Gymnasiasten. Den Aggro – Blick kenne ich schon auch – aber gerade deswegen hat es mir gut getan, dass Sie erklären konnten, wieviel Frust und Hoffnungslosigkeit in diesem Blick und den einschlägigen Bemerkungen stecken. Auch ihre Aussage, dass man dieser Negativ – Haltung mit klaren Ansagen und authentischem Verhalten begegnen muss, tut mir “nachträglich” gut: Während meiner Ausbildung wurden mir derartige klare Ansagen von meinem Seminarleiter untersagt; er vertrat die Meinung, dass es bei richtiger Motivation der Schüler durch den Lehrer keine lustlosen Reaktionen gäbe. (Na ja…)
    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Durchhaltevermögen und gratuliere Ihren Schülern zu ihrer ehrlichen und sympathischen Lehrerin!

    • Liebe Frau Schlicht,

      dass ich mich über Ihren Kommentar freue, muss ich Ihnen nicht sagen. Danke!
      Werden Sie denn wieder “antreten”? Ich vermute, auch das wäre ein Segen für Schüler.

      Herzlich

      Hildegard Monheim

  7. Liebe Frau Monheim,
    wahrscheinlich werde ich ( Jahrgang 1957) nicht mehr “offiziell” antreten; meine Schwerpunkte lagen in den letzten Jahren auf ehrenamtlicher Arbeit, mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, vor allem im kirchlichen Bereich. In jüngster Zeit beginne ich wieder mit Nachhilfestunden zur Quali – Vorbereitung für einzelne Schüler. Diese Konzentration auf den “Einzelfall” halte ich auch für eine sinnvolle Unterstützung meiner “Kollegen” im Schuldienst.
    Mit herzlichem Gruß
    Ute Schlicht

  8. Hallo Frau Monheim,
    nachdem ich bei Beckmann Ihre klugen und engagierten Beiträge verfolgt hatte, habe ich mir Ihr Buch gekauft und heute am ersten verregneten Ferientag gelesen. Es hat mir sehr gut gefallen, sowohl Ihre pointierten witzigen Schilderungen als auch die Wärme für die Schüler und Ihre Offenheit gegenüber den eigenen Mängeln und Unsicherheiten. Als langjährige Lehrerin und Mutter habe ich mich in vielen Episoden wiedergefunden. Vor allem hat mich gefreut, dass es Ihnen ähnlich wie mir geht: Bei allem Stress und Rückschlägen, bei all den verständnislosen Reaktionen der Umwelt gegenüber der Berufswahl möchte ich doch keinen anderen Beruf ausüben. Ich fühle mich allerdings etwas priviligiert, da ich in einer Förderschule arbeite und dadurch weniger mit den Schikanen unseres Bildungssystems konfrontiert bin. Ich brauche keine Noten geben, niemanden sitzen lassen und keine überfrachteten Lehrpläne durchpeitschen, sondern habe stattdessen Zeit für alternative Lernformen und spontane Ideen der Kinder.
    Schade finde ich, dass wir uns in Deutschland so schwer tun, unser verkrustetes Schulsystem endlich zu erneuern. Da spricht und fordert die Politik vehement die Inklusion von Kindern mit Behinderung, gleichzeitig darf aber keinesfalls die heilige Kuh des gegliederten Schulsystems angetastet werden. Inklusion ja, aber bitte ohne das Gymnasium.
    Ich bin sehr gespannt, ob wir in unserer aktiven Zeit noch erleben werden, dass ein wirklicher Wandel stattfindet. Sehr optimistisch bin ich da nicht. Die Diskussionen werden dafür zu sehr über Nichtigkeiten geführt, wie man wieder sehr schön an der G8-G9-Diskussion bei Beckmann sehen konnte.

    Ich wünsche Ihnen weiterhin so viel Energie und Humor, wie in Ihrem Buch spürbar wird.

    Herzlichen Gruß

    Barbara Kasper

    • Liebe Barbara Kasper,
      über diesen Kommentar freue ich mich sehr. Nicht nur, weil Sie mein Buch loben, sondern weil auch Sie in “meine” Richtung denken und arbeiten.
      Das macht Mut.
      VIELLEICHT SIND WIR GAR NICHT SO WENIGE!
      Und vielleicht können wir uns gelegentlich austauschen und gegenseitig inspirieren. Das fände ich schön.

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